Täglich bekommen wir von euch eine bunte Ansammlung kurioser, skurriler, romantischer, wütender, und kreativer Zettel aus allen Ecken der Hauptstadt eingesendet. Hinter all dieses NOTES stecken Menschen (oft auch Tiere :) ), ein Schickal, ein spezieller Moment, eine sonderbare Begebenheit, ein Missgeschick, ein wunderbarer Zufall, ein großer Verlust und natürlich oftmals einfach die Wut auf den fiesen Fahrraddieb, den faulen Postboten und die laut vögelnden Nachbarn von nebenan. To sum it up: Jeder Zettel birgt eine, seine wahre Geschichte. Wenn es unsere Ressouren zulassen, treffen wir ab und an einen echten Zettelprotagonisten und stellen Fragen zu seiner Note, die uns unter den Nägeln brennen. Warum hast du diesen Zettel geschrieben bzw. aufgehangen? Wie kam es dazu? Wer bist du eigentlich? Was zum…?
In unseren Büchern gibt es einige dieser Geschichten schon länger nachzulesen. Fortan nun auch bei uns aufm Blog. Yeah!

 

Wir starten heute mal mit Stefan.

Apfel Karsten Berlin Note

 

Warum bitte will man denn einem Karsten einen angebissenen Apfel zurückgeben!? Und das auch noch per Zettel-Gesuch? Durchaus berechtigte Fragen nach dem Lesen dieser schönen Note aus Charlottenburg. Wir haben sie der Person gestellt, die diesen Zettel rund um den Ernst-Reuter-Platz aufgehängt hat: Stefan, 47, arbeitet als Entwickler ganz in der Nähe. Er ist hoch gewachsen und schlank, seine langen Haare sind zu einem Zopf gebunden und er drückt mir kräftig die Hand, als er sich vorstellt. Mitte der Neunziger Jahre ist er aus Thüringen nach Berlin gezogen und hat dann aus dem Prenzlauer Berg „gerade noch so den Absprung geschafft“ als er vor 13 Jahren nach Neukölln gezogen ist.  Wir setzten uns in ein  Café am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg. Um uns herum Studenten, Geschäftsleute, Verkehr. Stefan opfert uns seine Mittagspause, die Firma bei der er arbeitet ist gleich um die Ecke. Immerhin ist gutes Wetter und wir können draußen sitzen.

Berlin_Cafe_Ernst_Reuter

„Nö, kein Obst“, es geht bei dem Zettel um ein I-Phone, das er letzten September bei den Fahrradständern in der Hadernbergstraße – nur ein paar Meter von dem Café entfernt, in dem wir gerade sitzen – gefunden hat. Vor ungefähr 8 Monaten hatte er das I-Phone hier gefunden. Es war natürlich durch einen Pin gesperrt und so gab es keine große Chance herauszufinden, wem es gehört. „Kein Siri, kein Garnichts“.

Apfel_statt_Iphone

 

Mit der festen Motivation, es seinem Besitzer zurück zu geben, hat Stefan es in der Arbeit an einen Rechner angeschlossen. „Das Einzige was das Ding ausgespuckt hat war: Karstens Cloud“. Also schreibt er einen Zettel an Karsten und hängt drei davon direkt am Fundort auf, „in jede Laufrichtung“ einen. Und warum der angebissene Apfel? „Ich hab‘ auch nicht I-Phone schreiben wollen, da hätten wahrscheinlich Hunderte geschrieben! Derjenige der sein Handy verloren hat, könnte da schon draufkommen“. Ist er aber nicht wie es scheint. Stefan lacht und erzählt, dass er den Zettel davor im Büro ein paar Kollegen gezeigt hatte. „Aber dazu sind wir wahrscheinlich zu Technik-affin, wir lesen und verstehen das gleich. Aber ich glaube nicht, dass das das Problem war.“

 

Neben uns hat sich bisher allerdings nur eine einzige Person gemeldet, die auf dem Weg zum Renaissance Theater jeden Tag an dem Zettel vorbei läuft (der nach wie vor dort hängt!) und sich dabei fragt, was sich hinter diesem skurrilen Obst-Gesuch verbirgt. Für Stefan ist es die aktuelle Mentalität, die dazu führt, dass sich keiner gemeldet hat. „Ich habe es verloren, mein I-Phone gibt mir sowieso niemand wieder, dann kauf‘ ich mir halt ein Neues“ denken sich die Leute vielleicht. „Ich würde da auch wesentlich aktiver suchen!“

Stefan_Berlin_Iphone

 

Stefan hat es aber nicht bei den Zetteln belassen, er hat sogar regelmäßig im Internet auf den entsprechenden Seiten nachgesehen, ob jemand sein Handy vermisst. Nur ins Fundbüro wollte er das I-Phone nicht bringen, denn das ist für ihn das „Allerletzte, wo ich das abgeben würde“. Irgendwann hat er dann einfach aufgehört zu suchen.

 

Trotz Stefans tapferer Suche nach seinem Besitzer, liegt das I-Phone nun bereits 8 lange Monate auf seinem Schreibtisch. „Ich brauche es nicht und will es auch nicht. Selbst wenn man das entsperren würde“. Nicht Viele würden so beharrlich nach dem Eigentümer eines Smartphones suchen. Stefan schon, aber er hat auch gemerkt, dass es „ganz schön schwer ist, so ein Telefon wieder an den Mann zu bringen“. Helden des Alltags wie Stefan gibt es zum Glück immer mal wieder. Zum Abschied sagt er mir, dass er durchaus die Hoffnung hat, dass sich Karsten vielleicht durch unseren Artikel bei ihm meldet. „Es liegt immer noch abholbereit“.

 

Geschrieben von Nadine Barabas.

 

GASTAUTOR BEI NOTES OF BERLIN WERDEN:

Du hast auch Lust einmal eine Geschichte dahinter zu einer Note zu schreiben? Wir posten dich gerne. :) Schreib uns einfach an notes@notesofberlin.com, welchen Zettel du nachrecherchieren möchtest und wir leiten dir dann die nicht-zensierten Kontaktdaten weiter.

  1. Tim sagt:

    Genau so wie Peter sagt. Das macht jeder Telefonshop. Wie kann man denn ein fremdes Handy einfach 8 Monate einbehalten und nur Zettel an Bäume hängen?

  2. Peter sagt:

    Hallo, ich fand die Geschichte mit Stefan und dem gefundenen Apfel sehr interessant. Falls Karsten den Besitzer des Handys immer noch sucht, dann kann er ihn ganz einfach ausfindig machen (hatte das Problem vor ein paar Jahren einmal selbst). Einfach mit der SimKarte des Handy in einen Telefonshop gehen. Die bekommen anhand der Kartennummer heraus, wem das Handy gehört und können ihn benachrichtigen.

  3. anonym sagt:

    @ Notes of Berlin
    Finde die Idee mit den Gastautoren/ innen großartig. Ich wünsche euch einige Mitmacher/innen und inreressante Zettel-Geschichten.
    Euch Gastautoren/innen viel Spaß beim Recherchieren, interessante Begegnungen und gute Gespräche.

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