“Zu verschenken” –
Eine Hommage an die Berliner Großzügigkeit:

Wer in Berlin unterwegs ist, kommt nicht an den berühmt-berüchtigten “Zu verschenken”-Notes vorbei. Hier ist Allerlei zu finden, das nach einem neuen Zuhause sucht. Darunter gut erhaltene Raritäten und eben Dinge, bei denen nicht selten der Satz “Es gibt so viele schöne Dinge, die wir NICHT brauchen” zutrifft. Berliner Sparfüchse wissen die kleinen Notes zu schätzen und sind ständig auf der Jagd nach neuen Spots, an denen sie etwas abstauben können. 

Schließlich lässt sich so eine Menge Geld sparen, wenn man seiner Partnerin, dem Onkel vierten Grades oder seiner Mutter spontan eine Freude bereiten möchte oder einfach nur nach einem (Last-Minute-)Geschenk sucht.

Entdeckt von Kim in der Fontanestraße/Schillerstraße in Pankow.

Auch für das leibliche Wohl ist auf Berlins Straßen und in den Treppenhäusern gesorgt. Wer seine Augen offen hält, kann beispielsweise wie in Neukölln frisch gekochten Eintopf auf dem Fensterbrett finden. Serviert mit Würstchen und – laut Zutatenliste –  auch ganz ohne Gift. 

Entdeckt von matze.zelch in der Uthmannstraße.

Zwischen Eintöpfen in Gefrierbeuteln und Last-Minute-Geschenken kommen auch Pflanzenfreunde nicht selten auf ihre Kosten, denn auch ein neuer Partner-in-Crime lässt sich hier und da finden. “Bettina” aus Kreuzberg beispielsweise ist für eine lange glückliche Beziehung zu haben und sucht jemanden, der sie auf ihrem Lebensweg begleitet.

Entdeckt von berlinerdom in der Bürknerstraße.

Und dann gibt es noch die (ehemaligen) Besitzer, die die Phrase “Zu verschenken” etwas anders ‒ ja vielleicht sogar etwas großzügiger ‒ interpretieren, um so scheinbar unliebsame Dinge, die sie nicht mehr brauchen, loszuwerden. Mitunter ruft das die (erzürnte) Nachbarschaft auf den Plan. 

Entdeckt von Heiner in der Simplonstraße in Friedrichshain.
Entdeckt von Jakob in Friedenau.

Manchmal ist der Status “Zu verschenken” aber auf den ersten Blick nicht ganz erkennbar. Doch wer sich ein bisschen Mühe mit der Kommunikation gibt und am Ball bleibt, kann ganz schnell ein neues Bastlerstück ergattern und seine Besitztümer um einen neuen alten Drahtesel erweitern oder ein Kollektivprojekt mit der Nachbarschaft starten.

Entdeckt von Alexander in Friedrichshain.

Wer seine handwerklichen Fähigkeiten noch weiter auf den Prüfstand stellen oder gar erweitern möchte, der muss nur die Augen offen halten. In den Straßen von Kreuzberg gibt es durchaus ein Angebot an wartungsbedürftigen Gegenständen, die zu zwei Drittel funktionieren und nur auf einen Interessenten warten, der sie mitnimmt.

Entdeckt von Oliver in der Reichenberger Straße.

Auch die allseits bekannten modischen Fehlkäufe sind an Hauswänden zu finden und verwandeln die Hauptstadt zu einer einzigen Klamottenbörse. Von ungetragenen rosa Spitzenunterhöschen bis hin zu den ehemaligen Lieblingsklamotten, die nun neuen Errungenschaften weichen mussten. 

Entdeckt von Katharina in der Seestraße im Wedding.

Oft ist die Wahrheit schmerzhaft, wenn das neue Fundstück wie in Reinickendorf, das im Karton so vielversprechend aussah, dann doch nicht passt.  Aber manchmal trügt der Schein und die Gegenständen geben ihre (finanziellen) Geheimnisse erst auf den zweiten Blick preis.  Denn Unverhofft kommt dann eben doch oft.

Entdeckt von Marit in der Scharnweberstraße.

Der unerwartete Geldsegen kann aber auch  – wer hätte es gedacht – einfach so auf der Bank liegen, ganz ohne danach suchen zu müssen. In diesem Fall wird die Neugier in Friedrichshagen belohnt und der Finder ist um 20 Euro reicher. Einfach so, einfach gut. Weil er ist, wie er ist.

Entdeckt von Niklas am Müggelseedamm.

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